ATTWENGER
Einleitung & Überblick
Attwenger ist ein österreichisches Experimental-Duo aus Linz, das seit über drei Jahrzehnten zu den lebendigsten und eigenwilligsten Originalen im deutschsprachigen Popgeschäft zählt. Die Band kombiniert traditionelle Volksmusikinstrumente – allen voran die elektrifizierte Steirische Harmonika („Quetsch’n“) – mit harten Beats, Punk-Attitüde, Hip-Hop-Rhythmen und elektronischen Elementen zu einem einzigartigen Sound, den Kritiker als „Slangpunk“ bezeichnen. Ihre Texte im oberösterreichischen Dialekt – oft Gstanzln genannt – sind mentalitätskritisch, politisch, dadaistisch und voller Wortakrobatik.
Der legendäre BBC-DJ John Peel, der in den nach ihm benannten Sessions alles, was im Indie- und Alternative-Bereich Rang und Namen hat, vor die Mikrofone holte, wurde auf die „kuriosen Österreicher“ aufmerksam. Seine Faszination brachte er mit diesen Worten auf den Punkt.
Biografie & Geschichte
Gründung & Herkunft
- Gründungsjahr: 1990
- Gründungsort: Linz, Oberösterreich, Österreich
- Status: Aktiv (Stand 2026)
Der Bandmythos besagt, dass Attwenger ihr erstes Konzert im April 1990 in der Wiener Arena um drei Uhr morgens spielten. Der Name „Attwenger“ leitet sich von einem Gstanzl ab, das im oberösterreichischen Regionalsender gespielt wurde – ein spontan gereimter Sprechgesang, der die programmatische Grundlage der Band bildet.
Wichtige Stationen
- 1991: Debütalbum „Most“ beim Münchner Independent-Label Trikont
- 1992/1993: „Pflug“ und „Luft“ werden in Österreich jeweils zum „Album des Jahres“ gewählt
- 1995: Ausgedehnte Konzertreise durch Sibirien – prägender Einfluss auf die Musik
- 1997: Album „Song“ – erste Hinwendung zu repetitiven, elektronischen Strukturen
- 2002: „Sun“ – minimalistischer, souliger Sound
- 2005: „Dog“ – Rückkehr zu mehr Punch
- 2021: „Drum“ und weitere Releases
- 2026 (April): Zehntes Studioalbum „Wos“
Internationale Auftritte: Attwenger haben weltweit Konzerte gespielt – unter anderem in Sibirien, Simbabwe, Kuala Lumpur, Vietnam (Ho-Chi-Minh-Stadt), Pakistan (Lahore), Indonesien, Mexiko sowie beim legendären South by Southwest (SXSW) Festival in Austin, Texas (2012).
Musikstil & Einflüsse
Charakteristika
- Instrumentierung: Elektrifizierte Steirische Harmonika + Schlagzeug + Elektrobeats + Maultrommel
- Gitarrenverzerrer werden zur Veredelung des Akkordeons verwendet – ein ungewöhnlicher, aber prägender Klang
- Von zweiminütigen Song-Miniaturen bis zu zwanzig Minuten dauernden Hypno-Schleifen
- Der Schlagzeugpart „würde jeder Hardcore Band zu lebenslangem Ruhm verhelfen“
Einflüsse
- Traditionelle österreichische Volksmusik: Gstanzl-Tradition, Steirische Harmonika
- Punk & Hardcore: Energie, Attitüde, DIY-Ethos
- Hip-Hop: Sprechgesang, Rhythmus, Wortakrobatik
- Elektronische Musik: Techno, Dub, Trip-Hop (besonders ab „Song“)
- Internationale Begegnungen: Mbira-Musik aus Simbabwe, Einflüsse aus Indonesien und Sibirien
Diskografie & Werke
Studioalben
| Jahr | Titel | Label | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| 1991 | Most | Trikont | Debütalbum |
| 1992 | Pflug | Trikont | Album des Jahres (AT) |
| 1993 | Luft | Trikont | Album des Jahres (AT) |
| 1997 | Song | Trikont | Erste elektronische Einflüsse |
| 2002 | Sun | Trikont | Minimalistisch, soulig |
| 2005 | Dog | Trikont | 14 „schlanke Polka- und Slang-Songs“ |
| 2006 | Dog 2 (Remixes) | Trikont | 17 Remix-Versionen |
| 2011 | Flux | Trikont | Wieder mehr „Punch“ |
| 2015 | Spot | Trikont | 23 Songs in 40 Minuten |
| 2021 | Drum | Trikont | — |
| 2026 | Wos | Trikont | Zehntes Studioalbum |
Live-Alben
- Auf da Oim gengan die Kia (Remastered 2007) – Live-Album
- Clubs (2012) – Live-CD + DVD mit Tourfilmen
Filme/DVDs
- Attwengerfilm (1995) – 35mm-Film
- Attwenger Adventure (2007) – 90-minütige Musik-Dokumentation von Markus Kaiser-Mühlecker
Bandmitglieder & Besetzung
Attwenger sind ein klassisches Duo, das sich seit der Gründung nie verändert hat. Alle Alben erscheinen auf dem Münchner Independent-Label Trikont.
Bringt das traditionelle Volksmusikelement ein, verfremdet durch elektronische Effekte. Verantwortlich für die charakteristischen, oft schwebenden Melodielinien.
Das rhythmische Fundament, der Motor der Band. Binder schreibt auch die Texte – politisch, poetisch, dadaistisch und voller Dialekt-Wortspiele. Praktiziert Qigong und Tai Chi, was in die langen, repetitiven Passagen ihrer Live-Shows einfließt.
Texte & Themen
Sprache
- Oberösterreichischer Dialekt (Gstanzl-Tradition)
- Englische Einschübe – phonetisch nah am Dialekt → „indogermanische Ursuppe“
- Neologismen – erfundene Wörter und Wortspiele
Aktuelle politische Themen (Album „Wos“, 2026)
- „Entspannter Sozialismus“ – Kritik an Polarisierung, Plädoyer für Umverteilung
- „Feministische Gstanzln“ – Sechsminütige Abrechnung mit patriarchalen Strukturen / „Alles mit Gewalt“
- „Entnazifiziert“ – Kritik an unvollständiger Entnazifizierung
- Klimawandel, Polarisierung durch Algorithmen, Populismus, Desinformation
Internationalisierung
Binder sieht die Vermischung von Dialekt und Englisch als bewusste Internationalisierung: „Die englische Sprache denkt einfacher, ist handsamer – und phonetisch ist man sehr nahe an unserem Dialekt dran, das mischt sich sehr easy.“ Auf Überseetourneen wird klar: „Die Sprache ist dann völlig egal, da geht‘s nur mehr drum: Kommt da was rüber?“
Live-Auftritte & Tourneen
Bühnenpräsenz
- „Konzerte ausnahmslos unbestuhlt!!!“ (steht so im Rider) – das Publikum soll sich bewegen können
- Intensiv, energiegeladen, oft schweißtreibend
- Hans-Peter Falkner: „Einihau‘n is‘ supa!“
Internationale Tourneen (Auswahl)
- Europa: Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich (Marseille), Belgien (Brüssel), Großbritannien (London, BBC-Session bei John Peel)
- Asien: Sibirien (1995), Vietnam (Ho-Chi-Minh-Stadt, 1998), Pakistan (Lahore, 2001), Indonesien (2008), Malaysia (Kuala Lumpur)
- Afrika: Simbabwe (Harare)
- Nordamerika: SXSW Austin (2012), New Orleans, New York City, Mexiko (2005)
Aktuelle Tour 2026
- 09. Mai 2026: ARGEkultur, Salzburg
- 03. Juni 2026: WUK, Wien
- TV-Auftritt: 22. April 2026 bei „Willkommen Österreich“ (3sat)
Auszeichnungen & Erfolge
- 1992/1993: „Pflug“ und „Luft“ werden in Österreich jeweils zum „Album des Jahres“ gewählt (woraufhin der Wettbewerb laut Bandmythos abgeschafft wurde)
- John Peel Session: Einladung zu einer der begehrtesten Indie-Auszeichnungen
- 2012: Nominierung für den Amadeus Austrian Music Award (Kategorien „FM4-Award“ und „Alternative“)
- Kultstatus in der internationalen Alternative-Szene
Trivia & interessante Fakten
- Name: Der Bandname leitet sich von einem Gstanzl aus dem oberösterreichischen Radio ab.
- „Wama liaba“: Eines ihrer bekanntesten Stücke – ein 15-minütiger Trance-Induktor.
- „Spot“ (2015): 23 Songs in 40 Minuten – durchschnittlich unter zwei Minuten pro Track.
- Meditation & Qigong: Markus Binder praktiziert seit zehn Jahren Qigong und Tai Chi – diese Erfahrung fließt bewusst in die langen, repetitiven Passagen ein. Er bezeichnet Techno als „böller-böller-Meditation“.
- Einflüsse aus Simbabwe: Live-Erlebnis der Mbira-Musik von Thomas Mapfumo prägte den tranceartigen Aspekt.
- Eigene Filme: „Attwengerfilm“ (1995, 35mm) und „Attwenger Adventure“ (2007, 90 Min. Dokumentation).
- Cover-Motiv „Wos“: Eine Fliege. Binder: „Du wirst in der gesamten Weltliteratur kaum irgendwo eine Geschichte finden, wo die Fliege als bewundernswertes Tier dargestellt wird.“
Weblinks & Suchlinks
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